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Guten Morgen, Millennials!

L ieber Jakob Osman, dieser Beitrag soll eine Replik sein auf deinen Beitrag «Gute Nacht, Millennials!» (Manager Magazin).

Persönlich bin ich weder Fisch noch Vogel, was die Kategorisierung nach Jahrgang betrifft. Je nach Definition gehöre ich noch knapp zur Generation X, jener Null-Bock-MTV-Generation, deren Hymne der Grunge war, oder ich zähle zu den älteren Semester der Millennials, diesen Hybriden aus Weltverbesserern und Narzissten.

Was auch immer ich sein mag, so will ich doch eine Lanze brechen für all jede, die durch die Gnade der späten Geburt sich zu den Millennials zählen dürfen.

Als Werber ist man tagtäglich mit Kategorisieren von Menschen beschäftigt. Zielgruppen nennt es der Kunde im Briefing, «Audience» sagen wir dann, wenn wir präsentieren. Klingt besser. Aber im Grunde bedeutet es nichts anderes, als Menschen zu schubladisieren.

Und steht da «Millennials», dann gehts schon los mit den Assoziationen: Bio-Obst, Joghurtshake, Yoga-Kurse – und wenn man sich mal warmgelaufen hat, kommt noch: laktosefreie Milch, der Chai-Latte, klar, Netflix, Tinder, WhatsApp in a row und natürlich – für Schmunzler der einfachen Sorte – «es ist kompliziert».

Seit Mario Barth wissen wir, dass Stereotypen nicht (mehr) lustig sind. Deswegen kann der Beitrag nicht als Glosse verstanden werden, sondern scheint ein ernsthafter Appell aus paternalistischem Verantwortungsgefühl heraus. Wenn Klischees aber zu Kritik mutieren, der Schenkelklopfer zum Mahnfinger wird und eine Generation am Pranger steht, weil das Bild des fröhlich-fordernden Millennials in unseren Medien sich in Endlosschleife wiederholt, dann darf man zwischendurch doch mal die Realität konsultieren.

«Was habt ihr in all den Jahren gelernt? Dass Mut, Fleiß und Arbeit sich lohnen? Wohl kaum.»

Zu dieser Erkenntnis kann man als Millennial durchaus gelangen. Nicht aber weil man «in Kambodscha, Litauen oder auf den Osterinseln Work and Travel gemacht» hat, sondern vielleicht weil man ein Kind der Generation Praktikum (Spiegel 2012) ist und nach dem Studium für (wortwörtlich) kein Geld Praktika aneinandergereiht hat bei Unternehmen, die das Ausnutzen von Uni-Abgängern zum Businessmodell erhoben haben. Also musste der Spass halt billig sein, also hat man gelernt sich mit Freunden und Augustiner zu amüsieren, also ist vielleicht Geld doch nicht alles?

«Glücklich seid ihr [Millennials] trotzdem immer noch nicht. Was zur Hölle fehlt denn nur?»

Gute Frage. Gute Frage aus einer Gesellschaft die TGIF zum Grusse erhoben hat, in der die Radiomoderatoren die Tage und Stunden bis zum Wochenende runterzählen und Garfield uns als Kind schon beigebracht hat, dass man Montage zu hassen hat, auch wenn wir damals noch nicht wussten warum. Eine gute Frage. Vielleicht sollte die Frage eher lautem: «Warum zur Hölle wollt ihr Millennials glücklich sein? Wir sind es ja auch nicht – und seht, uns geht es gut dabei.»

«Doch statt den Marathon anzunehmen, wechselt ihr lieber alle zwei Jahre den Job, weil die aktuelle Position eine „Einbahnstraße“ ist und euer Chef euch nicht genug würdigt.»

In einer Zeit, in der Leiden nicht automatische im Jenseits vergolten wird, ist Leiden per se auch keine Tugend mehr. Geht man davon aus, dass – und da sind sich sogar die meisten Religionen einig – man nur ein einziges Mal als Mensch auf der Erde wandelt, dann ist es durchaus nachvollziehbar, dass man versucht, das Beste daraus zu machen.

Kurz: Millennials sollen sich schuldig fühlen, dass ihre Eltern sie liebten, dass sie gelernt haben das Glück zu suchen, Freunde und Freude zu geniessen und dabei noch den Anspruch haben, die Welt ein bisschen zu verbessern. Kurz, das einzige, was wir Millennials vorwerfen ist ihre Naivität – oder, in anderen Worten, dass sie noch nicht desillusioniert sind. Eigentlich sagt das doch mehr über uns aus, als über «die»…

1Comment
  • amaru
    Posted at 08:11h, 21 September Antworten

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