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Ich will Spass

S pass wird in unseren Breitengraden nicht selten als Antonym für Arbeit verwendet. Entweder oder, klar. Dafür wird man ja bezahlt. Oder entschädigt. Man opfert seine Lebenszeit auf dem Altar des Kapitalismus und wird dafür ökonomisch entlöhnt. Nicht be-lohnt, sondern ent-löhnt.

Der Gedanke, dass Arbeit nicht nur Spass machen kann, sondern soll, ist nicht unbedingt gängige Praxis in Zwinglis Stammlanden. Erst wenn das Vieh mault und schnaubt, wird effizient gearbeitet.

Das helvetische Understatement gebietet es, Erfolg in ein Mäntelchen des Schweigens zu hüllen, gute Laune hinter einem «aber» zu verstecken und – im täglichen Ringen, keinen Neid auf sich zu ziehen – seinen Job als möglichst mühselig zu beschreiben. Mensa-Zirkel und Zigi-Runden verwandeln sich in Superlative der Leidensfähigkeit. Jeder arbeitet am härtesten, mit den schlimmsten Kunden, am längsten sowieso – und ganz wichtig: am spassbefreitesten.

Wer Spass hat, hat verloren. Mitgefühl, Solidarität und Blutsbrüderschaft werden aufgekündigt. Wer Spass an der Arbeit hat, ist ein Verräter.

Und doch sind wir uns einig: Spass an der Arbeit, Freude am Tun sind nicht nur der Treibstoff von Ideen, Fortschritt und Innovation sondern auch der Kitt jeder Gesellschaft. In Theorie würde dem wohl niemand widersprechen. Happy kommt weiter: Zwo. Eins. Stimmung!

«Fun is one of the most important–and underrated–ingredients in any successful venture. If you’re not having fun, then it’s probably time to call it quits and try something else.»

Richard Branson 

Deshalb plädiere ich für die Befreiung von unserer verbalen Selbstgeisselung, vom Jammern und Klönen, vom Stöhnen und Murren, von all den negativen Worten und Gedanken. Wer tatsächlich leidet, soll weiterziehen – jeder soll nach seiner eigenen Façon selig werden.

Wenn der Beruf Berufung ist. Wenn nicht in die Nacht hinein gearbeitet wird, sondern der Leidenschaft nachgegangen. Wenn ein Pitch zur Geliebten wird. Wenn man andere nicht versteht, warum sie nicht auch brennen. Wenn man sich nicht am kollektiven Rundgesang des täglichen Trübsals beteiligt. Wenn man seine Arbeit liebt.

«Intellectual ‚work‘ is misnamed; it is a pleasure, a dissipation, and is its own highest reward. The poorest paid architect, engineer, general, author, sculptor, painter, lecturer, advocate, legislator, actor, preacher, singer, is constructively in heaven when he is at work; and as for the magician with the fiddle-bow in his hand, who sits in the midst of a great orchestra with the ebbing and flowing tides of divine sound washing over him–why, certainly he is at work, if you wish to call it that, but lord, it’s a sarcasm just the same. The law of work does seem utterly unfair–but there it is, and nothing can change it: the higher the pay in enjoyment the worker gets out of it, the higher shall be his pay in cash also.»

Mark Twain 

Die Leichtigkeit des Seins bedingt, dass man – so glaube ich – sich nicht belügt. Dies gilt auch, und vielleicht im Besonderen, im Positiven: Werber der Schweiz, schämt euch nicht euren Job zu lieben. Das ist in Ordnung. Wirklich. Ihr seid nicht alleine. I’m with you.

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